Feldforschung in Stolipinovo – reflexive Fotografie

Am Dienstag den 9. April war es endlich so weit. Die Fotos der vier Einwegkameras waren abholbereit und wir konnten mit unseren ersten zwei Gruppeninterviews starten. Zuvor wurde die Methode der reflexiven Fotografie von uns am Freitag den 5. April den ausgewählten Müttern erklärt und anschließend die 4 Einwegkameras verteilt. Am Montag den 8. April wurden alle vier Einwegkameras eingesammelt und zum entwickeln in einen nächstliegenden Foto Shop gebracht.

Ein Teil der Gruppe Familie befasst sich mit der reflexiven Fotografie und der Zielgruppe Mütter. Bei der reflexiven Fotografie handelt es sich um eine qualitative visuelle  Methode, welche von John Adair und Sol Worth gelten. Die Methode beschreibt, dass durch Einwegkameras selbst erstellte Bilder erzeugt werden sollen. Nachdem die Fotos entwickelt worden sind folgt anschließend ein Austausch über die vereinzelten Fotos. Anhand der Fotos soll über das Leben dokumentiert und Auskunft gegeben werden. Innerhalb der Gruppe haben wir uns für drei verschiedene Aufgabenbereiche entschieden.

Die Mütter sollten anhand der Kameras Orte fotografieren welche sie mögen, welche sie nicht mögen und wo sie Zeit mit ihrer Familie verbringen. Nach der Erstellung der Fotos sollen die Gruppen wieder zusammen führen und in einem Gruppeninterview über die Fotos gesprochen werden. Ziel ist es eine Erhebung über einen womöglich transnationalen Bezug der Familie und über das Familienleben in Stolipinovo zu erfahren. Insgesamt haben acht Frauen teilgenommen. Die acht Frauen wurden in zwei Gruppen mit jeweils vier Personen und zwei Einwegkameras aufgeteilt.

Nachdem wir die Fotos aus dem Foto Shop abgeholt haben, haben wir uns erneut im Plenum der NGO in Stolipinovo zusammengefunden um über den heutigen Tagesablauf zu sprechen. Innerhalb der Gruppe haben wir uns mit den Leitfragen für das Interview befasst. Anhand der drei Hauptaufgaben wurden jeweils verschiedene Leitfragen erstellt um eine Orientierung für das bevorstehende Gruppeninterview zu bekommen. Das erste Gruppeninterview ist um 18 Uhr gestartet und das zweite um 19 Uhr, welches von mir geleitet worden ist.

Pünktlich um 19 Uhr kamen zwei von vier Frauen in die NGO. Wir haben uns alles zusammen an einem großen Tisch zusammengefunden und die von ihnen selbst fotografierten Fotos wurden von uns systematisch auf dem Tisch verteil. Leider kamen keine weiteren Frauen zum Treffen dazu da sie aus privaten Gründen nicht am Interview teilnehmen konnten. Maria, unsere Dolmetscherin hat für die Übersetzung zwischen bulgarisch und englisch gesorgt. Emira, die Protokollantin notierte sich die wichtigsten Aussagen zu den einzelnen Fotos. Nach kurzem Zusammenführen begann das Gespräch. Es wurden im zweiten Interview nur einige Fotos ausgeteilt da nur zwei Frauen anwesend waren, diese jedoch viel über die Fotos und über verschiedene Orte sprechen konnten. Anhand der Fotos gab es Orte zusehen, wie z.B. der Müll oder die großen Schlaglöcher der Straßen, welche von den Frauen als unbeliebte Orte beschrieben wurden. Aus dem Interview ging hervor, dass die beiden Frauen mit einander verwandt waren und gemeinsam viel Zeit mit der Familie verbringen. Außerdem sind beide Frauen berufstätig und haben schon ihr ganzen Leben in Stolipinovo gelebt.

Da nur zwei von vier Frauen am Gruppeninterview teilnehmen konnten, ging das Gruppeninterview insgesamt 30 Minuten. Jedoch wurden uns erste Einblicke in das Leben einer Familie und die Aufgaben der Frau in Stolipinovo verdeutlicht. Genauere Informationen folgen in unserem Forschungsbericht.

Auf diesem Wege nochmal ein großes Dankeschön an alle Dolmetscher, Interviewten und Unterstützung unserer Forschung.

Eliane Jürgens