Gruppeninterview – Ein weiterer Tag in Stolipinovo

Nach bereits drei erfolgreichen Tagen im Feld Stolipinovo liegt heute das von mir geführte Gruppeninterview mit den Männern an. Heute am 10. April hat sich unsere Gruppe zu einem Plenum zusammen gefunden, um über den Verlauf und eine Strukturierung des heutigen Tages zu sprechen. Im Plenum haben wir weitere Leifragen hinzugefügt, um mehr über einen möglichen transnationalen Bezug und über die verschiedenen Familienkonstellationen sowie die Sicht der Männer zu erfahren. Da das Gruppeninterview mit den Männern erst gegen 15:30 statt findet, haben wir uns in Stolipinovo aufgemacht um weitere Eindrücke im Feld zu erlangen.

Der kleine Marktplatz, der an einer Straße liegt, war gegen 13:30 Uhr gut besucht und voll mit Menschen. Wir haben uns in dem Imbiss Shop “Alex“ etwas zu essen gekauft und sind gemeinsam über den kleinen Platz geschlendert. Am Marktplatz tummeln sich verschiedene kleine Geschäfte mit Klamotten, Schmuck und verschiedenen Lebensmittel sowie Einrichtungsmöbel. Wir haben auf einer Bank platz genommen und haben das Geschehen vor Ort beobachtet. Eine Kutsche, beladen mit zwei Kühlschränken ist am Marktplatz vorbei gefahren. Eine Gruppe älterer Herren hat neben uns Platz genommen und sie unterhalten sich lachend untereinander. Zu beobachten ist, dass wiederholt verschiedene Familienkonstellationen den Marktplatz kreuzen. Sie machen einen Stopp am Imbiss Shop und holen sich etwas zu essen. Anschließend verlassen sie den Marktplatz wieder und gehen wieder zurück. Die Menschen sind neugierig, freundlich und haben immer ein lächeln im Gesicht sobald man sie grüßt. Der Ein oder Andere kam mit uns ins Gespräch, da sie wissen wollten wer wir sind und was wir hier in Stolipinovo machen. Ein älterer Herr berichtet, dass er schon einmal in Deutschland gelebt hat, jedoch seit zwei Jahren wieder in Stolipinovo wohnt da er in Deutschland keine Arbeit gefunden hat. Auffällig ist auch, dass viele berochenes Deutsch sprechen, was darauf hinweisen kann, dass ein transnationaler Bezug zu Deutschland besteht oder bestanden hat. Nach einer Zeit sind wir wieder zurück zur NGO gegangen um uns auf das bevorstehende Gruppeninterview vorzubereiten.

Da wir zuvor keine Einwegkameras an die Männer verteilt haben, haben wir uns für ein Gruppeninterview entschieden, welches sich an den bereits notierten Leitfragen orientieren soll. Die Leitfragen sollen einen möglichen transnationalen Bezug sowie über die Familienkonstellation aufdecken.

Gegen etwa 15:30 sind die ausgewählten Männer in der NGO in eingetroffen. Insgesamt waren es fünf Männer, die am Gruppeninterview teilgenommen haben. Das Interview wurde von mir geleitet, Emira hat das Protokoll geführt und Ina war als Unterstützung da. Alle waren bereit mit mir zu sprechen. Das Gruppeninterview war sehr strukturiert, weil jeder nach einander gesprochen hat und so kein Durcheinander entstanden ist. Auffällig war hier, dass alle fünf Männer bereits einen transnationalen Bezug zu verschiedenen Ländern wie Deutschland, Belgien, Frankreich und Spanien hatten.  Aufgrund der mangelnden Arbeit und hohen Strompreise hier in Bulgarien bleibt der Familie nicht viel Geld übrig. Sie versuchten zusammen Arbeit zu finden um ihre Familie zu ernähren. Jeder der Männer hatte Familie aber hat nicht viel von dieser berichtet. Dieses Gruppeninterview richtete sich vielmehr in Richtung Arbeit. Die Männer berichteten, dass sie ständig auf der Suche nach Arbeit sind da es sehr schwer sei einen Job zu bekommen. Alle waren in der Stahl und Eisen Industrie tätig. Das Gespräch verlief insgesamt sehr gut und war nach ca. 20 Minuten beendet, da alle Männer berufstätig sind und wieder arbeiten mussten.

Es war wirklich sehr schön zu sehen, wie offen die Männer mit uns über das Thema gesprochen haben. Denn Arbeit zu bekommen und Geld zu verdienen sind wichtige Bausteine, die das Leben einer Familie in Stolipinovo stark beeinflussen.

Somit nochmals vielen Dank an die Interviewten und Dolmetscher.

Eliane Jürgens