Gruppenwechsel in der Gruppe Diskriminierung – Erster Tag in Stolipinovo

Mittwoch, 10.04.

Da ein Teil unserer Gruppe die ersten zwei Tage der Feldforschung in der Plovdiver Innenstadt verbracht hat, stand heute für uns der Wechsel nach Stolipinovo an. Einen ersten Eindruck hatten wir uns ja bereits am Sonntag Nachmittag verschafft. Da wir bereits spannende Gespräche und Interviews im Zentrum von Plovdiv führen konnten, waren wir sehr gespannt auf den bevorstehenden Tag.

Nach Zigarette und Kaffee warteten am Morgen auch schon gleich die ersten Interviewpartner*innen auf uns. Dank Angel hatten wir das Glück vier Interviews direkt hintereinander führen zu können. Dabei hatten wir wirklich spannende und interessante Gespräche. Einiges war auch sehr emotional, so dass ich wirklich sagen kann, dass diese Interviews eine sehr intensive Erfahrung für mich persönlich waren. An dieser Stelle möchte ich kurz schildern, wie ich meine Rolle als Interviewende im Kontrast zu den Interviews in der Innenstadt mit Mehrheitsbulgar*innen erlebt habe.

Mir ist es schon schwer gefallen, in diesen Gesprächen nach Diskriminierungserfahrungen zu fragen, da ich nie nur als neutrale Interviewende dort bin, sondern auch als Gadje, also als Weiße, aus Deutschland. Die Menschen, die mir gegenüber saßen, machen ihr Leben lang Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus und da komme ich und möchte etwas über diese sehr persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse wissen. Diese Menschen bringen mir ein großes Vertrauen entgegen, indem sie mit mir diese Erfahrungen teilen, insbesondere wenn man bedenkt, dass ich weder Teil der Community noch Romnja, Türkin oder Bulgarin bin.

Um uns nochmal mehr mit dem Viertel vertraut zu machen, waren wir mit Angel anschließend in seiner Nachbarschaft unterwegs und hatten sogar ein wenig Glück, dass die Sonne noch rauskam. Bei einem Bekannten von Angel konnten wir dann in einem Cafe auf Kaffee und Tee mit einigen Männern aus der Nachbarschaft ins Gespräch kommen und fanden sogar noch einen Interviewpartner. Den Nachmittag nutzten wir dann schließlich um teilnehmende Beobachtungen in der Einkaufsstraße, sowie am zentralen Platz zu machen.

Nachdem wir also den Tag über fleißig waren, stand abends dann die Geburtstagfeier von Sebastian Kurtenbach an. Diese fand in einer Location in Stolipinovo statt, die im Winter als Kneipe und als Treffpunkt zum Kartenspielen und im Sommer als Hochzeits- und Festtagslocation dient. Da wir die Tage zuvor bereits einige unserer Energie für unsere Forschung verwandt haben, war dieser Abend nochmal eine schöne Gelegenheit für uns alle, gemeinsam mit den Übersetzer*innen in lockerer Atmosphäre auf unsere bisherigen Erfolge bei gutem Essen anzustoßen. Für mich war der Abend ein besonderes Highlight der Woche, da wir das Glück hatten, in Stolipinovo selbst in einer besonderen Location zu Gast sein zu dürfen.

Insgesamt war der Tag also sehr eindrucksreich und voller interessanter Begegnungen. Wir sind gespannt auf die nächsten Tage in Stolipinovo und die noch folgenden Interviews und Gespräche. 🙂

Tamara Kräwer