Kinder von Stolipinovo

Es ist der 11.04.2019, der für mich persönlich einer der intensivsten und emotionalsten Tage in Stolipinovo war. Ich habe den ganzen Tag in Stolipinovo verbracht, habe ein Gruppeninterview mit vier Jugendlichen zur reflexiven Fotografie geführt, was erfolgreich war, da ich viele Informationen erhalten konnte. Jeder der Jugendlichen hat einen transnationalen Bezug, ihre Eltern oder ein Elternteil sind im Ausland zum Arbeiten. Die Jugendlichen leben in Stolipinovo mit ihren Geschwistern, mit ihren Großeltern oder mit einem Elternteil zusammen. Ich hatte sie gefragt, ob sie eine Freundin haben und alle sagten „ja, wir sind alle vergeben“, daraufhin wollte ich wissen, ob sie sich vorstellen können, ihre Freundin zu heiraten, alle lachten und sagten nicht vor 24, 25. Was mich beeindruckt hat, da in Stolipinovo viele Leute sehr früh im Alter von 14, 15 heiraten. Die Jugendlichen wollen aber ihr Leben genießen und sie sagen, dass man selber noch ein Kind ist und nicht die Verantwortung für eine Ehe übernehmen kann, „die Hormone würden verrückt spielen“ sagte ein Jugendlicher während des Gruppeninterviews.

Nachdem Gruppeninterview war ich draußen vor dem NGO Gebäude und saß auf der Bank mit den Kindern von Stolipinovo, wir haben versucht uns mit Händen und Füßen zu verständigen. Die Kinder in Stolipinovo sind sehr offen und herzlich, sie haben immer ein Lächeln im Gesicht und wirken so fröhlich. Sie laufen auf einen zu und umarmen einen gleich, obwohl sie einen nicht kennen und nicht wissen wie ein Mensch auf ihre innige Körpernähe reagiert. Wenn ich die Kinder in Stolipinovo sehe, weiß ich nicht was für Perspektiven sie für die Zukunft haben. Es gibt in Stolipinovo keine Orte/Räume für Kinder, wo sie hingehen können, um ihre Freizeit zu verbringen, einen Zufluchtsort haben an denen sie sich wohlfühlen, stattdessen verbringen sie ihre Zeit auf den Straßen zwischen Dreck und Müll.

Generell sollten Projekte in Stolipinovo stattfinden und es wird auch davon berichtet, dass sie stattgefunden haben, aber die Gelder sind nicht angekommen. Deswegen ist es schwer für Kinder Orte/Räume zu schaffen, wovon soll es denn auch bezahlt werden, wenn es keine Gelder gibt, die solche Projekte unterstützen.

Einige Studenten haben den Kindern Bälle gekauft zum Spielen, die Reaktion der Kinder hat mein Herz berührt, sie sind aufgesprungen und haben sich so über die Bälle gefreut. Wie einfach es ist ein Kind glücklich zu machen mit so einer kleinen Geste.

Kein Kind hat es verdient, so aufzuwachsen, wie einige Kinder in Stolipinovo. Jedes Kind braucht eine sichere Umgebung, Menschen die auf die Kinder achten, ihnen Liebe gebe, ihnen die Möglichkeit geben ihre Entwicklung zu fördern, ihre Hobbys auszuleben, zu spielen, weil sie einfach Kinder sind.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte und einen Einblick in die Welt der Kinder bekommen habe. Trotz alledem sind die Kinder so fröhlich, weil sie ein so simples Leben führen, sie haben nichts und geben sich mit dem zufrieden, was sie haben. Davon würde ich mir gerne eine große Scheibe abschneiden.

Emira Kosuta