Ein Treffen mit dem Bürgermeister des Stadtbezirks Ost

Dienstag, 09.04.2019

Die Stadt Plovdiv ist administrativ in sechs große Stadtbezirke gegliedert, welche jeweils in kleinere Nachbarschaften unterteilt sind. Diese sechs Stadtteile werden von Bürgermeistern regiert. Der zuständige Bürgermeister für den Stadtbezirk Ost ist Nikolay Chunchukov. In Stadtbezirk Ost befindet sich die Nachbarschaft Stolipinovo, um die es in unserer Forschung geht. Insgesamt leben ca. 70.000 Menschen im östlichen Teil Plovdivs, davon leben ungefähr 40.000 Menschen in Stolipinovo.

Andreas Kunz begleitet unsere Forschung und hat es Dr. Sebastian Kurtenbach, Ina Schäfer und drei Studierenden ermöglicht, sich am Dienstag den 09.04. mit Nikolay Chunchukov auf ein Gespräch zu treffen. Als Studierende waren Anna, Jana und ich, Diana dabei.

Nach einer herzlichen Begrüßung haben wir uns und unsere Forschung vorgestellt. Der Bürgermeister war sehr interessiert an der Situation in Deutschland, insbesondere in Dortmund. Er selber erlebe es immer wieder, dass viele Bewohner Stolipinovos nach Deutschland ziehen bzw. zum Arbeiten nach Deutschland gehen.

Nikolay Chunchukov fragte nach den Bedingungen in Deutschland und nach unserem Sozialsystem. Dr. Sebastian Kurtenbach räumte mit den „Legenden“ über Deutschland auf, zum Beispiel dass jeder ohne Probleme Sozialhilfe bekommen könnte. Aber so einfach sei es nicht. Um in Deutschland als Europäer Kindergeld oder Sozialhilfe beziehen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen vorhanden sein. Für Kindergeld braucht man Nachweise über Krankenversicherung, Mietvertrag und Arbeitspapiere, sowie einen gültigen Pass. Einen vollen Anspruch auf Sozialleistungen bekommt man nach 5 Jahren, wenn man diese Zeit legal in Deutschland verbracht hat.

Der Bürgermeister kam ins Erzählen und berichtete uns, dass Bulgariens Wirtschaft nicht gut läuft und er viel auf ausländische Hilfe angewiesen ist, um Sozialprojekte starten zu können. Eines dieser Projekte ist ein EU-Projekt, welches dieses Jahr abgeschlossen wird. 300 Kinder im Vorschulalter bekamen unterstützenden Bulgarisch-Unterricht. Dabei wurde zusammen mit den Eltern gearbeitet, damit die Nachhaltigkeit gewährleistet wird. Viele der Kinder aus Stolipinovo sprechen kein Bulgarisch, sobald sie in die Schule kommen, hängen sie im Vergleich zu bulgarischen Kinder hinterher und haben schlechte Chancen auf eine gute Bildung. Mit dem EU-Projekt möchte man diesem Problem zuvorkommen.

Dies ist nur eins der Projekte, die in Stolipinovo stattfinden; ein weiteres war, zusammen mit der schweizerischen Regierung, ein Gesundheitszentrum mit sechs Ärzten und zwei Mediatoren ins Lebens zu rufen. Mittlerweile ist das Zentrum fertig und die Leute können mit oder ohne Krankenversicherung für umsonst in die Sprechstunden kommen.

Herr Chunchukov erzählte sehr viel von sich aus, sodass wir am Ende kaum Fragen stellen mussten. Weiter berichtete er von den Zuständen bezüglich legaler Wohnanmeldungen und dem illegalen Häuserbau. Laut seiner Aussage sind ca. 90% der Bewohner Stolipinovos legal gemeldet, obwohl sie zum Teil in illegal gebauten Häusern wohnen. Zurzeit wird auch an einem neuen Gesetz gearbeitet, um die illegalen Häuser zu dulden. Es sei jedoch nicht möglich, diese vollständig zu legalisieren, da sie sich meist auf kommunalem Grund befänden.

Insgesamt war es ein sehr informativer Termin. Bürgermeister Chunchukov bot uns an, bei Fragen und zukünftigen Projekten gerne zur Verfügung zu stehen.

Diana Greiner