Auf den Straßen von Stolipinovo

Ich gehe durch die Straßen Stolpinovos. Alte Wege und Gassen aus Pflastersteinen, die sich durch das gesamte Viertel ziehen. Es hat einen gewissen Charme und ich versuche, die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Es sind viele Menschen unterwegs, die mich gelegentlich ansprechen. Das unterstreicht den Gedanken, sich direkt an einen Ort zurückgesetzt zu fühlen, den man schon ewig kennt und doch noch nie zuvor besucht hat. Mir gefällt dieses Gefühl. Ich fühle mich wohl. Auf dem Weg durch die Straßen fällt mir jedoch eines immer wieder auf: der viele Müll. Er verändert diese Atmosphäre und passt nicht ins Stadtbild. Häufig ist es Plastikmüll, was mich an meinen eigenen Plasikkonsum denken lässt. Ich glaube, dass wir uns dessen immer wieder bewusst werden sollten, um nicht wie hier in Stolipinovo, an Plastikmüll zu ersticken.

Ein grundlegendes Problem ist, dass dieser ganze Müll in Stolipinovo einfach nicht oft genug abgeholt wird. Häufig werden Versprechungen von der Stadt gemacht, welche nicht eingehalten werden. Außerdem wird häufig nur der Müll in den Randgebieten entsorgt, was den Menschen im Inneren des Viertels wenig weiterhilft. Hinzu kommt, dass sich selbst der Müll an den Randgebieten anhäuft, aufgrund der wenigen Abholungen. Ich frage mich warum eine Stadt es zulässt, dass ein Stadtteil so aussieht.

Schlussfolgernd ist für mich ein häufig gesehenes Bild: Menschen die ihren Müll in die Gegend schmeißen. Mit dem Wissen, dass dieser sowieso nicht abgeholt wird, kümmert es sie eben weniger. Ich frage mich deshalb, ob hier kein Verständnis dafür herrscht, was all der Müll in der Natur anrichten kann.

Vom Gegenteil überzeugen mich vier Jugendliche, die ich einem Interview kennen lernen durfte. Sie erzählten mir, dass sie eines Tages einen Spielplatz sahen, der vollkommen verdreckt war mit Abfall. Selbst genervt von diesem Problem entsorgten sie all den Müll. Zusätzlich strichen sie die Spielgeräte des Spielplatzes neu und pflanzten neue Bäume. Nicht nur sie selbst waren vollkommen begeistert davon, sondern auch wir. Auf Nachfrage wo sie ihren Müll hinwerfen würden, lachten sie und sagten „in den Mülleimer“. Ich sah in ihren Gesichtern so viel Hoffnung. Sie träumen davon eines Tages in einem müllfreien Stolipinovo leben zu können. Diese Hoffnung hat mich berührt. Sie war ansteckend und auch ich habe mich durch die Worte der Jungs ermutigt gefühlt, auf meine eigene Müllproduktion zu achten. Ich bin dankbar die Vier kennengelernt zu haben. Zum Einem würde ich mir wünschen, dass sie noch mehr Spielplätze von Müll befreien und somit als Vorbild für die Kinder dienen. Zum Anderen hoffe ich, dass sie die Stadt dadurch aufmerksam machen, dass sich etwas ändern muss, um das Müllproblem in den Griff zu bekommen. Ich wünsche ihnen dabei viel Erfolg und hoffe, dass ich die Jungs bei meinem nächsten Besuch in Stolipinovo wiedertreffen darf.

Katrin Rosenberger